Magersucht

Geschrieben von: Evelyn

Hallo,

ich glaube, dass meine Tochter (29) magersüchtig ist und ich weiß nicht, was ich tun soll. Meine Tochter und ich hatten immer ein sehr inniges Verhältnis zueinander. Seit 2 Jahren hat sie einen neuen Freund mit dem sie auch zusammenwohnt und unser Verhältnis hat sich seit dem verändert.

Sie hat sich immer mehr von mir zurückgezogen. Ich gönne ihr ihre Liebe wirklich aber ich habe Angst, dass ihr Freund ihr vielleicht nicht gut tut. Ich weiß nicht, ob sie sich vielleicht wegen ihm so runterhungert, weil wohl seine Ex-Freundinnen immer sehr dünn waren. Meine Tochter erzählt mir zwar, sie macht keine Diät sondern, dass Sie eine Nahrungsmittelallergie hat und deswegen so viel abgenommen hat. Ich finde aber nicht, dass sie ein wenig abgenommen hat, sondern sie ist nur noch Haut und Knochen. Auch sonst sieht sie sehr schlecht aus, also stumpfe Haare und graue Haut und komischerweise trägt sie eigentlich nur noch Schlapperklamotten. Ich mache mir große Sorgen, da auch ihr Verhalten sich sehr verändert hat. Sie ist so gereizt. Außerdem höre ich von ihr, wenn mir uns mal sehen, nur noch Vorwürfe, was ich als Mutter in ihrer Kindheit alles falsch gemacht habe. Dass ich Sie gezwungen habe, Sachen zu Essen die Sie nie gern mochte…Vor einer Woche hat sie mir sogar gesagt, sie möchte nicht mehr von mir umarmt werden! Das ist doch nicht normal!

Ich weiß nicht, ob ich mir das alles einbilde? Aber ich habe einfach nur Angst um meine Toche und weiß nicht, was ich tun soll! Vielleicht haben Sie eine Idee?

2 Gedanken zu „Magersucht“

  1. Liebe Evelyn,

    ihr Beitrag hat mich lange Zeit beschäftigt und ich habe etwas länger darüber nachdenken müssen, was ich Ihnen antworten soll. Ich bin mir sicher, dass sich die meisten Eltern nichts mehr wünschen, als dass es den eigenen Kindern gut geht. Umso schlimmer muss es für Sie sein, genau das Gegenteil an Ihrer Tochter beobachten zu müssen.

    Wahrscheinlich haben Sie – wie die meisten Eltern – einen “guten Riecher”, wenn mit Ihrem Kind irgendetwas nicht stimmt. Denn ehrlich gesagt, kommt mir die Geschichte mit der Allergie/Unterverträglich von Nahrungsmitteln auch etwas komisch vor. Es ist sicherlich nicht ungewöhnlich, dass viele Menschen ein paar Kilos verlieren, wenn sie ihre Ernährung aus o.g. Gründen umstellen müssen. Aber Untergewicht darf auf keinen Fall das Ziel sein.

    Was jetzt aber das Krankheitsbild Ihrer Tochter angeht, ist es mir leider aus der Ferne nicht möglich eine Diagnose zu stellen. In der Medizin spricht man von Magersucht (Anorexia nervorsa), wenn das tatsächliche Körpergewicht mindestens 15 % unter dem zu erwartenden oder Body-mass-Index (BMI) von 17,5 oder weniger liegt. Der BMI errechnet sich wie folgt: BMI=Körpergewicht (kg) : Quadrat der Körpergröße (m²).

    Ich kann mir denken, dass Sie diese medizinischen Fakten nicht trösten werden. Trotzdem ist es mir wichtig, Ihnen über das Krankheitsbild ein paar Informationen zu geben, weil Magersucht letzten Endes eine lebensbedrohliche Krankheit ist. Aus Angst vor Gewichtzunahme kommt es häufig vor, dass eine “strenge Diät” eingehalten wird. Oftmals wird das begleitet durch selbst herbeigeführtes Erbrechen und/oder Abführen. Es können auch Appetitzügler ins Spiel kommen. In vielen Fällen werden auch übertrieben viel sportliche oder sonstige körperliche Aktivitäten betrieben. Bei Menschen, die an Magersucht leiden, spricht man häufig von einer Körperschema-Störung. D.h. die Wahrnehmung der eigenen Figur und des Gewichts ist gestört (trotz Untergewicht halten sich die Patienten für dick). Nicht selten treten zudem noch weitere Störungen auf wie z.B. depressive Symptome, Angst und Zwangssymptome.

    Eine Behandlung der Krankheit ist häufig deswegen schwierig, weil viele Patienten meist eine geringe Krankheitseinsicht zeigen. Folglich muss oft eine stationäre Behandlung erfolgen, bei der es in erster Linie darum geht, das Normalgewicht wieder zu erreichen. Zusätzlich ist eine psychotherapeutische Behandlung absolut notwendig.

    Auch wenn das Verhältnis zwischen Ihnen beiden momentan sehr angespannt zu sein scheint, kann ich Ihnen nur empfehlen, weiterhin den Kontakt zu Ihrer Tochter zu suchen. Lassen Sie ihr Zeit und versuchen Sie ihr zu signalisieren, dass Sie für sie da sind. Mehr können Sie im Moment nicht für sie tun.

  2. Hallo Evelyn,
    ich habe selbst eine Tochter, die an einer Essstörung (Magersucht) leidet. Deshalb weiß ich, wie Du Dich fühlst. Es ist wirklich unendlich hart und manchmal unerträglich das alles aushalten zu müssen, weil man eigentlich nichts machen kann. Vielleicht solltest Du Dir auch professionelle Hilfe holen? Ich bin jedenfalls froh, dass ich jemanden gefunden habe, dem ich mich anvertrauen kann. Und ich tue etwas für mich selbst, es hilft mir wirklich sehr. Ich wünsche Dir unendlich viel Kraft und Glück!

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